Segeln Herbst 2008


Sind am 3.11. gut in Malle gelandet, schnell zur Fähre, mit ca 110 kg Gepäck zu zweit keine Kleinigkeit. Diese dann noch zu kriegen war leider wegen mangelnder Kooperation der Tante am Schalter nicht möglich. MIST! aber es war nichts zu machen, 1 Tag Zwangsaufenthalt in Las Palmas muss wohl sein.
Zum Glück haben wir ein nettes Hotel in der Nähe gefunden, und so verbummelten wir (mein Vater, der für 1 Woche mitsegeln will und ich) den Tag am Strand, mit etwas sightseeing und ich mit viel Schlaf.
Am nächsten Tag mit der Fähre und unseren Gepäckbergen nach Ibiza, von weitem sehe ich schon Michis Cirque du Soleil. Jetzt erst mal Weißwurstfrühstück mit Weißbier, leider fehlen die Brezen, aber sonst wars perfekt! Ibiza wird erkundet, viele Hunde, viele nette Bars und Menschen! Fühle mich gleich wieder sehr zuhause auf dem Boot, wir reparieren (was auch sonst!) gleich wieder einiges: das Dinghy, und nur für Marina fummeln wir sogar ein Netz an die Reling, jetzt haben wir unsren eigenen Maschendrahtzaun..aber die Katzensicherheit geht natürlich vor...
am nächsten Tag endlich segeln wir bei gutem Wind und viel Sonne nach Formentera, machen nach 5 vergeblichen Ankermanövern an einer rostigen Mooring fest und setzen gleich mal über zu einem gestrandeten Segler, leider schon alles ausgeschlachtet, der Rest total zerstört. Traurig! war eine schöne kleine Yacht.
Am nächsten Tag 2:1 fürs weitersegeln zur spanischen Festlandküste, ca 70 Seemeilen, leider nur teilweise guter Wind, der Motor musste zwischenzeitlich aushelfen... nachts dann in eine alles andere als ruhige Ankerbucht (Punto Morayra) eingelaufen, rundum viele Luxushotels, und auch Motoryachten, auf einen Landausflug hatte ich keine Lust, das hat Pa übernommen. Dafür am nächsten Morgen erstmals wieder im Meer gebadet, saukalt, aber möglich!
Weiter, weiter, weiter, war froh, ankerauf zu gehen und weiter nach Südwesten zu segeln bzw motoren (kaum Wind). Auf einmal ein Anruf: Schnell nach Calpe, da ist das Satellitentelefon aus Deutschland angekommen.. also was hilfts, wieder 6 Seemeilen zurück in den kalten Norden... nach ein paar Stunden in der Werft Belliure, in der wir Michael mit seiner Lagoon 500 Mariposa treffen, steht auch noch fest, die Cirque du Soleil kriegt einen neuen Unterwasseranstrich. Das ist eine gute Sache und obendrein sind wir sehr fleissig, so putzen und polieren wir die alte Lady, die Wellendichtung am Propeller und 2 Borddurchlässe werden erneuert.
Bei der Einwasserung 4 Tage später merken wir doch, man kann sich auch neue Probleme schaffen... die ersetzte Wellendichtung ist zwar dicht, bei der Montage haben wir allerdings ein anderes Teil lädiert: das Stevenrohr, durch das die Welle in den Bootsrumpf eintritt ist undicht geworden (wo rohe Kräfte sinnlos walten...) . Daher bleiben wir erst mal bis Montag und versuch dann den Schaden zu beheben, wenns ganz blöd läuft müssen wir nochmal in die Gurte, um die Stelle von außen dicht zu kriegen..

Was soll ich schreiben, nix hat geklappt, heute ist der 24. November, mein Vater ist mit der Mariposa schon bald in Lanzarote, und Michi, Marina und ich sitzen immer noch hoch und trocken auf der Werft in Calpe.
Dafür hatten wir am Samstag jede Menge Spass, wir waren zur Segelregatta eingeladen! Ich auf Tricky D., einer 42 Fuß Jeanneau Oceanis, Michi auf der 56 Fuß Oyster Chantana von Terry, ein super Erlebnis. Es herrschten Starnberger See Verhältnisse, d.h. fast 0 Wind, mit einem Unterschied: jede Menge Strom!
Nach einem super Start fanden wir uns zweimal in der Wendemarke (eine Fischfarm) wieder, wo wir doch jedes Mal gedacht haben, wir können die Boje leicht kriegen.. aber die Strömung sorgte dafür, das wir noch ewig an diese Fischfarm denken werden..
Ach ja und fast hätten wir die Chantana geschlagen, nachdem sie nach dem Start erst mal eine gute Parkposition gefunden hatte.. aber nach einigem Üben und Steuermannswechsel (das war dann natürlich der Michi, schon für den Americas Cup verpflichtet..) hatten unsere Gegner leider ihr Schiff besser im Griff und starteten eine furiose Aufholjagd (wir waren da etwas nachlässig), wegen Windmangel mussten dann doch beide Schiffe aufgeben, um rechtzeitig zum Dinner im Club einzulaufen. (Was ja das Wichtigste des Tages war..)
Abends waren wir noch in unserer Stammkneipe, Bruce, the Nomad (sorgte für Stimmung, und wir für genug Bier und eine lange Nacht.. gut, dass der nächste Tag ein Sonntag ist!
Heute ist zwar Montag, aber es läuft erst mal nichts. Nur wenn Michi im Büro erscheint, dann schlendert mal jemand am Boot vorbei.. Jetzt ist grad Mittagspause, also wieder Geduld haben..

Mittwoch: Endlich endlich sind wir wieder im Wasser! Eine Proberunde sagt uns: alles ok!
Daher Leinen los und nix wie weg hier.. es regnet, ist saukalt, aber egal, der Wind bläst aus der richtigen Richtung (was für ein Wunder) und wir machen gute Fahrt, die Logge zeigt sogar ab und zu einen zweistelligen Wert an: über 10 Knoten, Rekord unserer guten Lady!! Bei einer etwas versauten Halse von mir bei ziemlich viel Wind verabschiedet sich leider das Unterliek der Genua vom Rest des Segels, zugleich wird der Wind immer stärker, außerdem wirds auch noch dunkel.
Obs uns gefällt oder nicht, wir beschließen, einen geschützten Hafen bzw Ankerplatz anzulaufen, um das Segel zu reparieren und eine einigermaßen ruhige Nacht zu kriegen.
Also laufen wir in eine kleine Bucht rein, bei viel Wind und Welle gar nicht so einfach, nachts das auszukundschaften..
Vor der Hafeneinfahrt, und im eigentlichen Fahrwasser, hats dann gekracht, sind mit sattem Speed auf einen Unterwasserfelsen draufgebrummt. Ich hab mich schon mit meinem Pass, meiner Zahnbürste und 3 Unterhosen bewaffnet an den Strand schwimmen sehen, da hats Michi mit viel Geschick und Motorqualen doch noch geschafft, unsere Lady von diesem Felsen wieder runter zu zerren. Puh, das war echt knapp.. Kein Wasser im Boot, auch gut, da haben wir noch gedacht, sind wohl mit einem blauen Auge davon gekommen (etwas gewundert haben wir uns nur über den komplett abmontierten Navisitz, dessen Inhalt im Schiff verteilt lag.)
Wir beschließen, den nächsten größeren Hafen anzulaufen - Cartagena. Schöne Stadt, schöne Marina, guter Segelmacher!!
ABER: Nach genauer Untersuchung der Bilge wird immer klarer: Das hier ist kein Witz mehr und keine Kleinigkeit: Die Möbel sind teils verschoben, oder haben Risse, den Navisitz hats ja gleich komplett abmontiert, und am schlimmsten: die Innenschale hat tiefe Risse, die sehr großflächig über und neben dem gesamten Kielbereich verlaufen. Und beim Segeln knirschts auch so komisch.. ein gutes: die stets quietschenden Bodenbretter passen jetzt perfekt ;-)
Also vorsichtig zurück nach Calpe, die Werft dort hat ja bereits zuvor sehr gute Arbeit geleistet (wenn auch nach spanischer Timetable). VORSICHTIG! Bedeutet bei uns natürlich Segel plus Maschine, nicht unter 7 Knoten..und ab gehts.. Ein traumhafter Segeltag, erst etwas feucht von oben, dann aber mit gutem raumen Wind was zum Genießen, leider waren wir nur viel zu schnell zum Angeln, daher gabs heut Huhn mit Nudeln statt frischem Fisch!
Jetzt liegen wir etwas unruhig im Schwell in der Werft, warten auf morgen, aufs Auskranen und hoffen das allerbeste für unsere alte Lady, bisher wissen wir nicht ob sich die Schäden überhaupt reparieren lassen.
Ich bin so todtraurig, das konnte ich mir bis vor ein paar Tagen auch gar nicht vorstellen. Wusste selbst nicht, dass es mir so viel ausmachen würde.
Aber ich liebe dieses Schiff genau so wie es ist, und mit dem Michi würd ich überall hin segeln. Also wünscht uns und der alten Lady viel viel Glück morgen, dass eine Reparatur möglich ist!

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